Beispielhafte Integration

Mitteldeutsche Zeitung vom 24. Januar 2015, S. 11

Mitteldeutsche Zeitung vom 24. Januar 2015, S. 11

Mitteldeutsche Zeitung vom 24. Januar 2015, S. 10.

Mitteldeutsche Zeitung vom 24. Januar 2015, S. 10.

Von Anja Melior:

Freitagabend in den Klinkerhallen: 40 Sportler trainieren unter Regie von Jan Stange und Silvio Klawonn Ju-Jutsu. Alle tragen weiße Anzüge-bis auf die Gürtelfarbe unterscheiden sie sich kaum voneinander. Doch etwas ist anders: Klawonn gibt seine Anweisungen oft in Englisch oder gar in Japanisch. „O-goschi“, ruft er noch einmal. O-goschi istdas japanische
Wort für einen großen Hüftwurf und in den asiatischen Kampfsportarten gängig. Egal ob Ju-Jutsuka,Karateschüler oder Judoka, das versteht man. Der Grund dafür ist, dass sich zwei neue Mitglieder in die Halle getraut haben. Salamu Mutaliev und Ismail Botoi-beides
Asylbewerber. Salamu Mutalievist 34 Jahre alt und seit knapp sechs Monaten in Zeitz. Er stammt aus Tschetschenien. Mit seiner Familie floh er und landete im Zeitzer Asylantenheim. Wenig später durfte er mit seiner Frau, die vor kurzen ihr zweites Kind zur Welt brachte, in eine kleine Wohnung ziehen. „Eigentlich sollten wir direkt wieder abgeschoben werden“, erklärter. Aufgrund der Geburt der Tochter wird er momentan geduldet und der Asylantrag läuft weiter .Im Deutschunterricht an der Volkshochschule, den er übrigens ganz freiwillig besucht, lernte er den 18-jährigen Ismail Botoi kennen. Ismail ist gerade mal seit einem Monat in Zeitz und lebt im Asylantenheim in der Albrechtstraße. Er stammt aus der Ukraine. Dass er jetzt im Heim lebt, findet er nicht schlimm. „Alles ist noch viel besser als zu Hause.“ Im Deutschunterricht lernten sich die beiden jungen Männer besser kennen und wurden durch ihren Lehrer auf die Zeitzer Kampfsportgemeinschaft(KSG) „Jodan Kamae“ aufmerksam. Also schauten sie kurzerhand vorbei. Der Vorsitzende des Vereins Silvio Klawonn drückte beiden einen Anzug in die Hand und ließ sie direkt mit einsteigen. „Man sieht, dass sie Vorerfahrung haben, und eine Sprachbarriere gibt es hier eigentlich nicht“, stellt er fest.Tatsächlich merkt man auf der Matte nicht, dass beide noch nicht so gut deutsch sprechen. Ab und zu fragen sie Akif Salmanow, ebenfalls Vorstandsmitglied der KSG, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Salmanow spricht russisch und spielt den Dolmetscher. Verstehen können die beiden Neulinge viel, aber antworten geht im Moment nur mit der Muttersprache, auf Russisch oder ein wenig Englisch. Ein paar Worte auf Deutsch rutschen aber schon über ihre Lippen. „Ciao, war schön. Bis nächste Woche“, verabschiedet sich Mutaliev beim Trainer ,nachdem sie im Anschluss an das Training noch ein wenig Tischtennis mit den anderen Mitgliedern gespielt haben. Die KSG „Jodan Kamae“ istbekannt für ihre gute Jugend- und Integrationsarbeit. Seit Jahren entwickelt der Verein Konzepte und geht damit an die Öffentlichkeit, an die Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen. Nicht zuletzt dafür wurde die KSG im vergangenen Jahr vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Zusammenarbeit mit den Volks- &Raiffeisenbanken mehrfach geehrt. Sie erhielten den „Stern des Sports“ in Bronze und dann auch in Silber. Am kommenden Mittwoch haben sie in Berlin die Chance auf den Golden Stern des Sports. Die KSG tritt mit einer Delegation von 13 Personen, bestehend aus Vorstand, Eltern, Freunden und dem Vorstand der Zeitzer Volksbank, gegen 16 Vereine aus dem Bundesgebiet an. Bundespräsident Joachim Gauck überreicht die Preise an die Finalisten. Auch Silvio Klawonn ist gespannt, wie die Jury entscheidet. „Jeder ,der dort ist, hat diesen Preis auf jeden Fall verdient“, ist er sich sicher.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar