Marcel Spotke: Trainer und Motivator

2014.11.08_MZ_13aus: Mitteldeutsche Zeitung vom 08. November 2014, S. 13:

Lokales

Von der Matte zum Erzieher

PORTRÄT Junger Zeitzer Sportler wechselt von der Waffe zum sozialen Beruf.

VON ANJA MELIOR

ZEITZ/MZ- „Alles, was mir fehlt, ist ein Weltmeister in meinem Team“, so definiert Marcel Spottke seine Ziele für die Zukunft.

Er ist langjähriges Vereins- und Vorstandsmitglied sowie Trainer und Kampfrichter in der Zeitzer Kampfsportgemeinschaft Jodan Kamae. Angefangen hat alles damit, dass sich nach der Wende sein ursprüngliches Hobby – das Boxen – zerschlagen hatte. Den Verein gab es auf einmal nicht mehr. Da er sich schon immer für Selbstverteidigung interessierte, kam es ihm gerade recht, dass sich 1990 in der Schule in Droßdorf die Kampfsportgemeinschaft (KSG) Jodan Kamae gründete. „Wir waren damals nur ganz wenige Mitglieder, aber ich war sofort Feuer und Flamme. Das machte mir riesigen Spaß“, erzählt der 36-jährige gebürtige Zeitzer.Als der Verein dann einige Jahre später nach Zeitz zog, begann Marcel Spottke auch mit dem Wettkampf, welcher ihn bis heute beschäftigen sollte. „Ich hatte den orangenen Gürtel und die Selbstverteidigung allein reichte mir nicht mehr. Ich wollte Erfolge haben und mein Erlerntes in Turnieren einsetzen und zeigen“, so Spottke. Sein erster Wettkampf war dann direkt die Landesmeisterschaft im Fighting, die er mit einem ersten Platz absolvierte.

Im Verein selbst fühlte er sich von Beginn an wohl, er schätzt die familiäre Atmosphäre, das gute Miteinander, die Offenheit und das Vertrauen. All das hat ihn dazu getrieben, selbst Übungsleiter zu werden. Die Lizenz dafür erhielt er mit 16 Jahren. „Damals hatte ich den blauen Gurt und ich wollte unbedingt den Jüngsten im Verein den Sport nahebringen“, schwärmt er. Er brachte den Kindern von Grund auf die Regeln des Ju-Jutsu bei. Angefangen bei der Fallschule, also die Art, wie man richtig fällt, ohne sich zu verletzen, Technik- und natürlich auch die Wettkampftrainingseinheiten. Neben den Stunden, die er als Übungsleiter im Einsatz war, nahm er weiterhin selbst an Unterrichtseinheiten teil. Mit gerade mal 18 Jahren schaffte er die Prüfung zum 1. Dan – dem begehrten schwarzen Gürtel. „Darauf vorbereitet habe ich mich sehr lange. Über ein Jahr hängte ich mich rein. Samt Erste-Hilfe-Lehrgang, Inhalt des Notwehrgesetzes und natürlich den Techniken.“ so Spottke. 1998 entschied er sich, zusätzlich noch die Kampfrichterlizenz zu machen. Von da an stand er nicht mehr nur als Wettkämpfer, sondern eben auch im schicken Anzug mit Krawatte als „Schiri“ auf der Matte.

Neben dem Sport begann er bereits 1994 eine Ausbildung zum Hochbaufacharbeiter, welche er drei Jahre später erfolgreich abschloss. Mit knapp 23 Jahren änderte sich für den Vollblutsportler allerdings einiges. Er ging zur Bundeswehr und entschloss sich, nicht nur den Grundwehrdienst zu leisten, sondern sich als Zeitsoldat einziehen zu lassen. „Es wurde alles anders. Die gesamte Struktur war plötzlich über den Haufen geworfen. Für Training, Kampfsport oder Freizeit irgendeiner Art war kaum noch Zeit“, erzählt Spottke. Dennoch hat er es sich nicht nehmen lassen, seine Freunde im Zeitzer Verein ab und an beim Training zu besuchen. Zwölf Jahre Dienst an der Waffe und das sogar in Auslandseinsätzen in Afghanistan und im Kosovo haben den jungen Mann jedoch nicht davon abgebracht, danach direkt wieder beim Ju-Jutsu einzusteigen. „Mir hat zwei Monate lang nach dem Training immer alles weh getan. Jeden Muskel habe ich gespürt“, schmunzelt Spottke. Dass sich im Anschluss für ihn beruflich ziemlich viel ändern sollte, ist ihm während der Dienstzeit klar geworden. In den alten Beruf wollte er nicht zurück. Er entschied sich für eine komplett neue Richtung und wollte in den sozialen Bereich wechseln. Am liebsten mit Kindern. „Ich habe beim Training im Verein einfach gemerkt, dass mir das Arbeiten mit Kindern sehr viel Freude bereitet und bei der Bundeswehr hatte ich ja nun auch mit großen Kindern zu tun“, witzelt er. Im Jahr 2011 begann er über den Berufsförderungsdienst eine Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher, welche er in diesem Jahr mit 1,9 abschloss. Seit September ist er an einer Weißenfelser Schule als Sozialarbeiter tätig.

Als großes Vorbild sieht er immer noch Peter Hinsche. „Peter macht das einfach großartig. In seinem Alter legt er hier noch so einige auf die Matte. Ich bewundere ihn total“, schwärmt Spottke.

Seine Ziele für die Zukunft beziehen sich hauptsächlich auf seine Wettkampfgruppe, welche er 2011 neu ins Leben gerufen hat. Um diese kümmert er sich seitdem. „Für die Kids bin ich Motivator, Tröster, Trainer, Betreuer und Kumpel in einer Person. Das ist das, was mich stolz und glücklich macht“, erzählt Marcel Spottke.

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